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Interview mit dem Autor Matthias Rude über die historischen Vorläufer der Tierrechtsbewegung

In dem im JRude_Antispeziesismusahr 2013 im Schmetterling Verlag in der Reihe theorie.org erschienenen Buch „Antispeziesismus“ legt Historiker und Tierbefreiungsaktivist Matthias Rude die verschütteten linken Wurzeln der Tierrechtsidee frei. In seiner Geschichtsschreibung der Tierrechtsbewegung führt er auf, dass es bereits vor der Konstituierung der Bewegung Einzelpersonen oder auch Organisationen aus anarchistischen, sozialistischen und feministischen Bewegungen gab, die ihren Kampf für eine freie und gerechte Gesellschaft mit der Forderung nach der Befreiung der Tiere verbanden. Wir haben mit dem Autor ein Interview über seine Beweggründe für das Buch und die Bedeutung seiner Forschungsergebnisse für die heutige Bewegung geführt.

Wie entstand die Idee zu dem Buch?

Ich bin aus einer linken politischen Überzeugung zum Tierbefreiungsgedanken gelangt. Ein Satz hat sich mir dabei besonders eingeprägt, nämlich eine Aussage von Susann Witt-Stahl: „Wer immer noch nicht auf die Idee kommt, dass die In-Wert-Nahme von empfindungsfähigen Individuen, der Konsum ihrer Körperteile und -substanzen etwas mit Unterdrückung und Ausbeutung zu tun hat, der soll von Herrschaftskritik schweigen.“ Ich erkannte, dass, wer gegen Ausbeutung an sich kämpfen will, die Augen vor jener der Tiere nicht verschließen kann. Ich erfuhr bald, dass es wohl eine gewisse linke Tradition dahingehend geben musste: Vor allem die damalige Hamburger Tierrechts Aktion Nord – die sich 2011 nach über 25 Jahren in Assoziation Dämmerung umbenannt hat – hatte bereits darüber geforscht und einige bemerkenswerte Details wie die Geschichte des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) oder Zitate von Rosa Luxemburg ausgegraben, sowie die Arbeit an der Grundlegung einer kritischen Theorie der Tierbefreiung begonnen. Aber noch so viel lag im Dunkeln – geschweige denn, dass das Thema bereits in einem Gesamtüberblick dargestellt worden wäre. Diese Lücke wollte ich schließen und widmete fortan einen Teil meiner Zeit der Erforschung des Themas. Ich veröffentlichte zunächst einige kleinere Artikel im Rahmen meiner journalistischen Tätigkeit sowie für die Antispeziesistische Aktion Tübingen, auf die der Stuttgarter Schmetterling Verlag aufmerksam wurde. Die Leute vom Verlag mussten wohl Gefallen an meinen Texten gefunden haben und boten mir an, zu dem Thema ein Buch in der Reihe theorie.org zu schreiben. Das Angebot kam für mich genau zur rechten Zeit, da ich ohnehin mit dem Gedanken gespielt hatte, aus meinen Recherchen ein Buch zu machen. Es folgten eineinhalb Jahre Arbeit am Buch, bis es im Oktober 2013 schließlich erschien.

Dass die Kritische Theorie, vor allem Horkheimer, Adorno und Marcuse, das Mensch-Tier-Verhältnis zu ihrer Zeit kritisch analysierte, war also in Teilen der Tierrechtsbewegung bereits bekannt. Welche Biografie einer historischen Person überraschte dich jedoch bei der Recherche für das Buch?

Es gibt einige bekannte Persönlichkeiten, derer ob ihres Engagements für Tiere nicht oder wenig gedacht wird. Ich hatte vor Beginn meiner Recherchen nicht gewusst, dass Albert Einstein die Menschen dazu aufgefordert hat, ihr Mitgefühl auf alle lebenden Kreaturen auszuweiten, oder dass Teile der Bewegung gegen die Sklaverei auch die Befreiung der Tiere gefordert haben. Bereits das erste Werk, das sich gegen die Sklaverei richtete, war von diesem Gedanken geprägt; es hieß All Slave-Keepers that Keep the Innocent in Bondage – und damit waren nicht nur Menschen gemeint: Die Argumente seines Verfassers Benjamin Lay für die Befreiung der Sklaven sind von seiner Forderung, die Tiere zu befreien, und von seinem Vegetarismus nicht zu trennen. Dasselbe gilt für Teile der Frauen- und Arbeiterbewegung – und nicht nur hier. Wer weiß denn beispielsweise, dass Mary Shelley in ihrem Roman Frankenstein ihr so berühmt gewordenes Monster ein Plädoyer halten lässt, in welchem es eine vegetarische Utopie schildert? Gegenüber seinem Schöpfer sagt es dann: „Das Bild, das ich dir entwerfe, ist friedlich und vernunftgemäß; du wirst selbst spüren, dass du mir meine Zukunft nur mutwillige und mit Gewalt und Grausamkeit verweigern kannst.“ Im Roman wird diese Vision nicht Wirklichkeit: Anstatt in einen Zustand des Friedens mit Menschen, Tieren und der Natur einzutreten, findet Frankensteins Monster sein Ende im Feuer eines Scheiterhaufens. Hoffen wir, dass es uns besser ergeht.

In Deinem Buch schreibst Du, dass sich die linke Bewegung die Frage stellen müsse, ob sie den Kampf für die Befreiung der Tiere aufnehme. Welche Gründe liegen Deiner Meinung nach dafür vor, dass es aus der Linken immer wieder Vorbehalte gegenüber der Tierrechtsbewegung und ihren Forderungen gab? Was sind Erklärungen dafür, dass das von dir aufgearbeitete historische Engagement für Tiere in linken Bewegungen und Strömungen in der linken Geschichtsschreibung kaum thematisiert wird?

Zum Teil liegt das an der Tierrechtsbewegung selbst – sofern sie sich überhaupt in der Linken verortete, dümpelte sie ja fast 25 Jahre lang in der sogenannten autonomen Szene vor sich hin. Sie bot damit wenig Anlass, ernst genommen zu werden, und wenig Anknüpfungspunkte für wirklich progressive Kräfte in der Gesellschaft. Zum Teil liegt das aber auch daran, dass die Linke traditionell die Tiere als ebenfalls Ausgebeutete nicht anerkennt. Hier waren auch sonst kritische Geister oft noch viel zu sehr geprägt vom Imperativ der Naturbeherrschung, der in unserer Kultur unhinterfragt gilt. Die Sorge ums vernunftlose Tier sei dem Vernünftigen müßig, die westliche Zivilisation habe sie den Frauen überlassen, heißt es in der Dialektik der Aufklärung. Das zieht sich durch die Geschichte, und so wurden die Stimmen jener Menschen, die innerhalb linker Bewegungen für die Sache der Tiere eingetreten sind, in einem doppelten Sinne nicht gehört: Zum einen hatten sie als Angehörige widerständiger Bewegungen ohnehin bereits eine marginalisierte Position inne, zum anderen wurden sie selbst von jenen, an deren Seite sie in den verschiedenen Befreiungsbewegungen kämpften, in ihrem Anliegen, die Forderung nach Emanzipation über den Kreis der Menschen hinaus auszuweiten, oft nicht ernst genommen. Nicht ohne Grund liegt in der von Max Horkheimer mit der Metapher eines Wolkenkratzers aphoristisch beschriebenen Gesellschaftspyramide die „Tierhölle“ im Keller – an anderer Stelle spricht er von den „Verliesen des Gesellschaftsbaus“ – und befindet sich damit unterhalb des gesamtgesellschaftlichen Bewusstseins.

Viele TierrechtsaktivistInnen schließen sich den Forderungen anderer progressiver Bewegungen für Gerechtigkeit und Freiheit an, bzw. sehen das Projekt der Befreiung der Tiere in dieser Tradition. Dennoch wird z.B. Kapitalismus als Ausbeutungsverhältnis nur von einigen thematisiert. Wo siehst du in diesem Zusammenhang Potentiale oder auch Defizite der Tierrechtsbewegung, zumal vor dem Hintergrund des aktuellen „Vegan-Hypes“?

Tatsächlich ist die Praxis der Tierbefreiungsbewegung ja bereits Teil eines antikapitalistischen Kampfes, insofern ihre Aktivitäten sich direkt gegen die ökonomische Basis der Ausbeutung richten, indem Unternehmen, die von ihr profitieren, unter Druck gesetzt, angegriffen oder sabotiert werden. In ihrer Praxis kann diese Bewegung also für so manche andere linke Strömung sogar inspirierend sein. Ein Defizit besteht noch immer in der politischen Theorie der Bewegung. Teile der Tierrechts- und vor allem der veganen Bewegung richten ihren Fokus außerdem noch zu sehr aufs eigene Konsumverhalten. Selbst wenn die Zahl derjenigen, die Tierprodukte boykottieren, immer mehr steigen sollte, spielen noch zu viele andere Faktoren eine Rolle. Deutlich wird das etwa anhand des Umstands, dass der Markt für Hühnerfleisch in Europa längst übersättigt ist, aber in Wietze dennoch derzeit die größte Hühner-Schlachtfabrik Europas gebaut wird. Was überproduziert wird, wird ins Ausland verscherbelt, und dieses System wird auch noch massiv durch staatliche Subventionen unterstützt. Letzteres müsste geändert werden. Hier helfen Appelle ans individuelle Konsumverhalten aber rein gar nichts. Der Aufbau einer starken politischen Bewegung ist notwendig, die in der Lage dazu ist, Einfluss auf die Entscheidungsträger auszuüben.

Kann die heutige Tierrechtsbewegung aus ihren Vorläufern etwas lernen, z.B. was Aktionsformen, inhaltliches Auftreten oder grundsätzliche Strategien angeht?

Sie kann sich ein Vorbild an der Vehemenz der Suffragetten und an der Qualität der theoretischen Debatten im Internationalen Sozialistischen Kampfbund nehmen. Von der Lebensreformbewegung als einem negativen Beispiel kann sie lernen, dass man sich nicht vereinnahmen lassen sollte. Im Kulturindustrie-Kapitel der Dialektik der Aufklärung heißt es: „Was widersteht, darf überleben nur, indem es sich eingliedert. Einmal in seiner Differenz von der Kulturindustrie registriert, gehört es schon dazu wie der Bodenreformer zum Kapitalismus. Realitätsgerechte Empörung wird zur Warenmarke dessen, der dem Betrieb eine neue Idee zuzuführen hat.“ Eine Bodenreform durchzuführen, also das Privateigentum an Land abzuschaffen und es zu vergesellschaften, war das Ziel einer Strömung der sogenannten Lebensreformbewegung im späten 19. Jahrhundert, die auch den Vegetarismus im deutschsprachigen Raum erstmals populär machte. Ihrer Perspektive gemäß beginnt die Reform der Gesellschaft beim Individuum; nicht politische Parteien und soziale Revolutionen sollten die Welt verbessern, sondern allein die „Gesundung jedes einzelnen Menschen in seiner millionenfachen Anzahl“. Dabei handelt es sich um eine Einstellung, die heute wieder in jenen Teilen der veganen Bewegung anzutreffen ist, die sich in ihren Aktivitäten auf Appelle ans individuelle Konsumverhalten beschränken. Sie verkennen, dass bloße Appelle an eine Veränderung des Konsums noch keine Umwälzung der Produktion nach sich ziehen. Im Gegenteil lassen sich solche Alternativbewegungen leicht ins System integrieren, ja sie gehören, wie Horkheimer und Adorno es auf den Punkt gebracht haben, zum Kapitalismus dazu. Überleben dürfen nur diejenigen Teile alternativer Bewegungen, die marktkonform sind, die sich vermarkten lassen, aus denen Profit zu ziehen ist. So sind dann auch die einzige heute noch sichtbare Hinterlassenschaft der Reformbewegung die Reformhäuser. Wenn es nun, ein Jahrhundert später, heißt: „Vegan ist das neue Bio“, weiß man, dass auch die oft propagierte „vegane Revolution“ nicht grundlegend an jener Produktionsweise rüttelt, die Mensch, Tier und Natur ausbeutet und zerstört. Genau hier müssen wir aber ansetzen, müssen „radikal“ werden im besten Sinne: Wir müssen an der Wurzel des Problems ansetzen, und das heißt, das gesamte System, das dazu geführt hat, dass fühlende Wesen – ob Mensch oder Tier – erniedrigt, geknechtet und verachtet werden, in Frage zu stellen.

Rude, Matthias:
Antispeziesismus
Die Befreiung von Mensch u. Tier in d. Tierrechtsbewegung und d.Linken
1. Auflage 2013
204 Seiten, kartoniert
ISBN 3-89657-670-4
10,00 Euro

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